Taichi Schrittfolge

Die Schrittfolge „Schritt nach vorne und rechtes / linkes Knie streifen“ ist für mich eine der schönsten und anmutigsten Bewegungenfolgen des Taichi überhaupt. Sie erfordert ein hohes Maß an Aufmerksamkeit, Körpergefühl und Koordination, um das Ganze als harmonisch, leichfüßig, fließend, mit einem Wort einfach als schön zu erleben. Und in dem Augenblick, wo der Ausübende diese Empfindungen hat, hat sie ein zufälliger Beobachter auch.

Ich gebe Ihnen zunächst eine handwerkliche Beschreibung, mit der Sie ohne zu zögern direkt loslegen können.

Stellen Sie den linken Fuß nach vorne. In dieser Ausgangsstellung sollte das Gewicht gleichmäßig auf beiden Beinen verteilt sein.
Pendeln Sie auf den rechten Fuß zurück und lassen Sie die Arme mit einer kleinen Verzögerung dieser neuen Richtung folgen.
Drehen Sie den linken Fuß auf der Ferse etwas nach links außen, übernehmen Sie das ganze Gewicht auf den linken Fuß und setzen Sie für einen Augenblick den rechten Fuß neben dem linken ab. Die Arme folgen der Gewichtsverlagerung ein wenig verzögert und schwingen sanft nach oben, beide Handflächen zeigen ebenfalls nach oben.
Bevor sich die Hände im oberen toten Punkt befinden, machen einen Schritt schräg rechts nach vorne.
Drehen Sie die Handflächen nach unten und rollen Sie den rechten Fuß über die Ferse ab. Die Hüfte, der Oberkörper mit den Schultern und dem Kopf behalten während der Übernahme des Gewichts auf den rechten Fuß noch unverändert die alte Richtung bei, Sie blicken also in Richtung der linken Fußspitze. Geben Sie nicht der Versuchung nach, mit dem Schritt auch schon den Kopf in die neue Richtung zu drehen.
Erst wenn das Gewicht überwiegend auf den rechten Fuß verlagert ist, drehen Sie die Hüfte etwas nach rechts. Die Drehung wird vom Oberkörper, den Schultern und dem Kopf zusammen übernommen und an die Arme, Hände und Finger in der Form weitergegeben, dass die rechte Hand in einem Bogen von oben nach unten zum rechten Oberschenkel geführt wird, dabei zeigt jetzt die Handfläche nach unten. Die linke Hand wird erst mit den Fingerspitzen, dann mit der ganzen Handfläche etwa in Schulterhöhe nach vorne geschoben. Sie blicken jetzt in Richtung der rechten Fußspitze.

Haben Sie gerade das rechte Knie gestreift, genauso können Sie auch das linke streifen. Bevor also beide Hände ihre jeweilige Endposition erreicht haben, verlagern Sie jetzt das Gewicht auf den linken Fuß. Die Arme folgen wieder dieser neuen Richtung, indem Sie mit den Handflächen nach außen in einer Kreisbewegung neuen sanften Schwung holen. Gleichzeitig drehen Sie den rechten Fuß auf der Ferse etwas nach außen, übernehmen das ganze Körpergewicht auf den rechten Fuß und setzen für einen Augenblick den linken Fuß auf dem Ballen neben den rechten Fuß ab.
Die Arme folgen etwas verzögert dieser neuen Richtung und schwingen nach oben, beide Handflächen zeigen ebenfalls nach oben.
Bevor sich die Hände im oberen toten Punkt befinden, drehen Sie die Handflächen nach unten, machen einen Schritt schräg links nach vorne und rollen den linken Fuß über die Ferse ab. Die Hüfte, der Oberkörper und der Kopf behalten während der Übernahme des Gewichts auf den linken Fuß noch unverändert die alte Richtung bei, Blickrichtung ist immer noch die rechte Fußspitze. Achten Sie wieder darauf, dass Sie nicht mit dem Schritt auch schon den Kopf in die neue Richtung drehen.
Erst wenn das Gewicht überwiegend auf den linken Fuß verlagert ist, drehen Sie die Hüfte etwas nach links. Die Drehung wird vom Rumpf, den Schultern und dem Kopf zusammen übernommen und an die Arme, Hände und Finger in der Form weitergeleitet, dass die linke Hand in einem Bogen von oben nach unten zum linken Oberschenkel geführt wird, dabei zeigt die Handfläche nach unten. Die rechte Hand wird erst mit den Fingerspitzen, dann mit der ganzen Handfläche etwa in Schulterhöhe nach vorne geschoben. Sie blicken jetzt in Richtung der linken Fußspitze.

Sie können, wenn Sie mögen, diese Schrittfolge beliebig oft wiederholen.

So, und hier der Versuch, aus einem alten Video von mir genau das Beschriebene zu zeigen.


Nicht nur für Senioren ist diese Schrittfolge, und mag sie noch einfach aussehen, nicht ganz leicht zu lernen. Deshalb suche ich immer wieder nach neuen Wegen, alles ein wenig aufzubröseln, damit die Kursteilnehmerinnen nicht sofort den Mut verlieren und immer ihre kleinen Erfolgserlebnisse haben. Wichtig ist auch, dass nicht zu lange geübt wird. Bewährt haben sich anfangs maximal 5 Minuten. Also lieber öfter weniger üben bringt auf Dauer mehr!
1. Weil bei dieser Schrittfolge die Knie immer leicht gebeugt sind und die Teilnehmerinnen das gar nicht mögen, üben wir das vorher ein wenig, damit sie sich daran gewöhnen können. Ich sage an dieser Stelle noch einmal, dass fast alle noch sehr fit sind! Also gaaaanz leichte Kniebeugen bei leicht bzw. etwas weiter gespreizten Beinen.
2. Die Gewichtsverlagerung von dem jeweils vorderen Bein auf das hintere, dann die leichte Drehung des vorderen Fußes nach außen und wieder die Gewichtsverlagerung nach vorne ähnelt nach meinem Empfinden ein wenig dem Wiegeschritt beim Tango. Bitte diesen Wiegeschritt nicht zu oft üben, obwohl er sehr gut entspannt. Viele erinnern sich an ihre Tanzstunde und werden manchmal ein wenig ausgelassen, einfach herrlich. Manchmal findet die Gruppe sehr schnell den Rhytmus, dann wieder dauert es ein wenig länger, wobei auch hier immer die Tagesform entscheidet. Bewährt hat sich, wenn man anfangs das Tempo ein wenig erhöht, um dem richtigen Tango noch näher zu kommen.
3. Wenn der Wiegeschritt sowohl schnell als auch langsam problemlos beherrscht wird, kann das Tempo wieder verlangsamt werden, denn jetzt kommt eine neue Schwierigkeit hinzu:  zum Wiegeschritt wird abwechselnd die rechte bzw. die linke Hand leicht angehoben. Also beim Schritt links soll die rechte Hand und beim Schritt rechts die linke Hand gehoben werden. Die Konzentration hierbei ist enorm und das führt dazu, dass es auch schon mal chaotisch werden kann. Dann wird herzhaft gelacht und wir brechen das Üben für diesen Tag einfach ab. Und noch einmal der Hinweis, nicht zu lange üben.
4. Jetzt kommt das große Finale, bei dem es gilt, alle Einzelteile zusammenzusetzen 🙂 , weil mir ein weiteres Aufbrechen der Schrittfolge nicht sinnvoll erscheint.  Neu ist jetzt nur noch, dass die Armbewegungen rund werden müssen, also bei der Gewichtsübernahme auf das vordere Bein die Arme mit den Handflächen nach oben etwas verzögert nach vorne schwingen………………………………………usw. usw. usw. (s.o.)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.